Mehr als Schwärmerei

Wenn es im Garten summt

Helga Kunz arbeitet seit 2019 als Assistentin der Geschäftsführung bei der GWG München. In ihrer Freizeit geht sie einer besonderen Leidenschaft nach: Seit zehn Jahren kümmert sie sich um drei Bienenvölker, die auf ihrem Garagendach leben. Das nötige Fachwissen hat sie sich durch eine Imker*innenausbildung angeeignet. 

Im Interview verrät sie mehr über ihr spannendes Hobby.

Helga Kunz Imkerin
Helga Kunz (© Jonas Nefzger)

Imker*innen trifft man nicht alle Tage. Wie sind Sie dazu gekommen?

Tatsächlich trifft man Imker*innen immer öfter, da die Imkerei als Hobby in den letzten Jahren sehr beliebt geworden ist, vielleicht auch durch die mediale Aufmerksamkeit, die zum Beispiel das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ erzeugt hat. Ich selbst mache das jetzt seit zehn Jahren. Damals war ich in Elternzeit und habe unseren Garten neu angelegt. Dabei bin ich oft auf das Thema Bienen in der Stadt gestoßen und dass es Bienen in der Stadt aufgrund eines vielfältigeren Nahrungsangebots besser geht als auf dem Land, wo Monokultur und Pestizide für schwierigere Lebensbedingungen sorgen.

Was fasziniert Sie an der Imkerei besonders?

Ein Bienenvolk ist ein komplexer Organismus, in dem alle Abläufe genau definiert sind. Im Frühling und Sommer ist Hochsaison, da leben die Arbeiterinnen gerade mal sechs Wochen. Jede Biene weiß trotzdem genau, was sie in ihrer kurzen Lebenszeit zu tun hat, damit das Volk als Ganzes überlebensfähig ist.

Bienenschwarm
Auf dem Weg zum Bienenstock summt es. (© Jonas Nefzger)

Was machen Bienen dann im Winter?

Sie halten Winterruhe. Dabei rücken sie eng zusammen, bilden eine Kugel und vibrieren mit ihrer Flugmuskulatur. So erzeugen sie Wärme und halten dadurch die Temperatur im Bienenstock konstant – egal wie kalt es draußen ist. So überleben sie bis zum Frühjahr.

Welche Frage wird Ihnen am häufigsten gestellt, wenn die Menschen erfahren, dass Sie Imkerin sind?

Erwachsene fragen oft, wie viele Bienen im Stock leben: im Sommer bis zu 50.000, im Winter knapp 10.000. Kinder wollen oft wissen, ob es denn auch Bienenprinzessinnen gibt, da es ja eine Bienenkönigin gibt. Nein, die gibt es nicht, denn in jedem Volk gibt es nur eine Königin. Wenn eine junge Königin geboren wird, teilt sich das Volk auf. Es schwärmt aus – ein tolles Erlebnis!

Welche Erfahrungen aus der Imkerei können Sie auch im Beruf nutzen?

Als Imkerin ist es notwendig, fast so gut organisiert zu sein wie die Bienen selbst. Nur so kann ich sie in ihrem Lebenszyklus optimal unterstützen und meine Völker bleiben vital. Gleichzeitig muss ich kurzfristig auf Anforderungen reagieren können, zum Beispiel wenn sich ein Schwarm in Nachbars Baum niederlässt. Diese Balance zwischen Flexibilität und guter Vorbereitung nutze ich auch im Job.

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