Wie modern! Die Münchner Stadtbibliothek unterstützt die Münchnerinnen und Münchner bei der Eroberung des digitalen Raums

Wie modern! Die Münchner Stadtbibliothek unterstützt die Münchnerinnen und Münchner bei der Eroberung des digitalen Raums

Vor kurzem sprach ich mit einer Freundin über ihre Kinder, und nicht zuletzt aus beruflichem Interesse wollte ich wissen, mit welchen Medien ihr Sohn und ihre Tochter aufwachsen. Es war schön zu hören, dass Hörspiele nach wie vor überaus beliebt sind bei Heranwachsenden. „Du weißt schon, dass du in der Stadtbibliothek jede Menge Hörspiele für Kinder herunterladen kannst?“, fragte ich. Sie sah mich erstaunt an, nein, das hatte sie nicht gewusst. „Wie modern!“, sagte sie, halb anerkennend, halb ironisch.

Förderung digitaler Bildung
Tatsächlich wissen selbst viele der eifrigen Nutzerinnen und Nutzer der Münchner Stadtbibliothek – und diese Freundin ist eine davon – nicht, dass man mit dem Bibliotheksausweis nicht nur anfassbare Dinge wie Bücher, Spiele und DVDs ausleihen, sondern auch eine große Vielfalt an digitalen Medien nutzen kann, von deutsch- und englischsprachigen eBooks und digitalen Zeitschriften über Spezialdatenbanken bis hin zu Videokursen – und zwar jederzeit und an jedem Ort der Welt, der über eine Internetverbindung verfügt.

Öffentliche Bibliotheken haben ihren Ursprung in der schönen demokratischen Idee, dass alle Menschen ein Recht haben auf einen niedrigschwelligen Zugang zu Bildung, um ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Neben der Leseförderung, die schon immer ganz oben auf der Agenda von öffentlichen Bibliotheken stand und auch weiterhin steht, ist deshalb vor einiger Zeit die Förderung digitaler Bildung ins Blickfeld gerückt. Soziales Leben findet heute in ganz unterschiedlichen digitalen Räumen statt, und auch Literatur und Bildung sind nicht mehr nur live und gedruckt zu haben. Doch um die neuen Möglichkeiten, die zweifellos für jede und jeden eine Bereicherung darstellen, für sich optimal nutzen zu können, muss man sich mit ihnen auseinander setzen. Muss vielleicht auch dies und das erst lernen, muss sich ab und an bestimmt auch ärgern, aber wird so viel ungeahnte Chancen gewinnen und unerwartete Inspirationen erfahren.

„ENTER! Digitale Bildung für alle“
Deswegen hat die Münchner Stadtbibliothek im vergangenen Jahr die Reihe „ENTER! Digitale Bildung für alle“ ins Leben gerufen: weil es schlichtweg zu unserem Job gehört, unseren digitalen Bestand allen Nutzerinnen und Nutzern individuell und passgenau zu vermitteln, damit jede und jeder etwas davon hat. Und vor allem, weil wir es als unsere Aufgabe begreifen, die Menschen fit zu machen für die mediale Gegenwart, damit sie auch diese neuen Türen zur Bildung und Teilhabe öffnen können.

So erklärt sich auch der Name der Reihe: „ENTER“ bezieht sich natürlich zuallererst auf die Enter-Taste, über die jeder Computer verfügt und mit der man das Ausführen eines Befehls bestätigt. Die deutsche Übersetzung des Wortes lautet „eintreten“ oder „hineingehen“, und da schwingt dann auch das piratische Entern mit, das wir mit dem Titel ja auch irgendwie meinen. Das World Wide Web muss man sich erobern, selbstredend nicht mit Waffengewalt, aber ein bisschen Mut braucht es durchaus. Man kann viel über die Vor- und Nachteile der Digitalisierung diskutieren. Aber eines steht fest: Sie geht nicht mehr weg, und sie lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Die Münchner Stadtbibliothek unterstützt alle, die es wagen wollen, den digitalen Raum für sich zu entdecken. In der Reihe „ENTER!“ finden sich individuelle Beratung (Digitale Sprechstunde), informative Vorträge über einzelne Angebote sowie das offene Digitale Café (einmal im Monat, jedes Mal in einer anderen Stadtbibliothek), bei dem man ohne Anmeldung einfach vorbeischauen kann, auf einen Kaffee und ein paar Cookies, um die Expertinnen und Experten der Münchner Stadtbibliothek alles zum Thema zu fragen, was einem gerade auf den Nägeln brennt. Wie geht das mit den eBooks? Kann ich internationale Zeitungen auch online lesen – wo und wie? Können Sie mir eine App empfehlen? Was soll ich auf Facebook? Wie kann ich mich an der Wikipedia beteiligen? Und so weiter …

„ENTER! Lieblinge“ – Veranstaltungstipps
Und weil auch die Münchner Stadtbibliothek nicht auf alle Fragen über die digitale Gegenwart auch Antworten weiß, wollen wir so viel und oft als möglich mit den Menschen in München darüber ins Gespräch kommen. Im November startet deshalb „ENTER! Lieblinge“, bei dem wir ein offenes Podium zum Wissensaustausch bieten: Am 7. November, 18 Uhr, sind alle in die Stadtbibliothek Am Gasteig eingeladen, ihre Lieblingsapps vorzustellen, es folgen Podcasts (14.11.), Blogs (21.11.) und Netzwerke (28.11.). Die Vernetzung der unterschiedlichsten Menschen anhand ihrer Interessen und ihres Wissens gehört schließlich zu den Wesensmerkmalen des World Wide Web, und das finden wir auch für das echte Leben eine sehr schöne Idee.

Nicht weniger wichtig als die digitale Bildung für Erwachsene ist uns die mediale Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Dafür haben wir „ENTER! family“ erfunden: Erstmals am 17. November laden wir Eltern und deren Nachwuchs an einen Runden Tisch (14-16 Uhr, Stadtbibliothek Am Gasteig, Kinder- und Jugendbibliothek), um gemeinsam über die Dinge, die für Eltern und Kinder gleichermaßen wichtig sind, ins Gespräch zu kommen. Was? Wann? Wie lange? – diese drei Fragen zur Mediennutzung verursachen regelmäßig Diskussionen und Streitigkeiten zwischen Eltern und Kindern. Doch wie viel Zeit verbringen Sie selbst am Smartphone? Was macht Spaß, worauf sollte man aufpassen? Welchen Infos kann man trauen, was passiert mit den Daten und wie kann man sie schützen? Wir geben Infos, Tipps und Beispiele, die zum Nachdenken anregen, aber auch zu einer entspannten und vertrauensvollen Nutzung mit dem Smartphone beitragen können.

Kurz gesagt: Kommen Sie vorbei, reden Sie mit, machen Sie mit – lassen Sie uns gemeinsam das Netz erobern!

Gastbeitrag von Katrin Schuster
(Sie verantwortet die digitale Kommunikation in der Münchner Stadtbibliothek)